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Отзыв прессы · 2022

Неформалы из театра Synthese: I believe I can fly! 2022

Неформалы из театра Synthese: I believe I can fly! – Театр Synthese

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О спектакле

Creeps

Год
2022
Источник
Марина Охримовская, forall.swiss, 7 июня 2022
Оригинал
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Русская статья о спектакле «Creeps» Лутца Хюбнера.

(Übersetzung aus dem Russischen — Originalsprache des Artikels)

Nonkonformisten fallen im grauen Gedränge des Alltags durch ihr auffälliges Äusseres, ihr Verhalten und ihre Denkweise auf. Die neue Inszenierung «Creeps» des russischen Studios des Theaters Synthese lädt das Publikum hinter die Kulissen eines Hamburger Fernsehstudios ein, um dem Echten ins Gesicht zu sehen und es von der Fälschung zu unterscheiden.

RUSSISCHES STUDIO IN EINEM SCHWEIZER THEATER

Das Schweizer Theater und Studio Synthese präsentiert mit Freude Stücke unseres Zeitgenossen, des deutschen Dramatikers Lutz Hübner. Drei Jahre zuvor feierte das Publikum die deutschsprachige Inszenierung «Frau Müller muss weg!». «Creeps», ebenfalls auf Deutsch, zeigte Regisseurin und Theatergründerin Anjelika Oberholzer-Smirnova erstmals 2009 in Uster.

2023 wird das Internationale Theater Synthese sein zwanzigjähriges Bestehen feiern. In dieser Zeit entstanden rund fünfzig Produktionen nach unterschiedlichen Autorinnen und Autoren. Fünf Jahre zuvor eröffnete Oberholzer-Smirnova in Uster ein russisches Studio. Die schwarze Komödie «8 liebende Frauen» nach Robert Thomas begeisterte das Publikum. Der Erfolg verlieh Flügel: Seither stehen Klassiker und Gegenwartsdramatik auf dem Spielplan des russischen Studios.

Synthese-Produktionen werden in der Schweiz und in Deutschland, insbesondere in Frankfurt, begeistert aufgenommen. In Lorcas «Bernarda Albas Haus», Neil Simons Broadway-Komödie «Schützt Flora», Elena Erpyljovas Tragikomödie «Die Armseligen» und Vlada Olchowskajas Psychodrama «Titanhexe» wurde Russisch gesprochen. Leider verändern Pandemien und Kriege die Pläne der Menschen. So wurde die Teilnahme von Synthese an einem Theaterfestival in Paris bis zu friedlicheren Zeiten verschoben.

SCHARLACHROT AUF GRÜN

Indem die Kunst mit der Zeit von der Vergangenheit in die Zukunft schreitet, hilft sie den Menschen, in der Gegenwart zu überleben. Davon handelt auch die neue Inszenierung. Wer sich eine eigene Meinung bilden möchte, sollte am Freitag in den Theatersaal Weisser Wind kommen, selbst sehen und nachdenken. «Schweiz für alle» lenkt den Blick auf einige wichtige Einzelheiten.

Wie beginnt «Creeps»? Mit einer offenen Bühne, auf der scharlachrote Ausstattungselemente vor einem grünen Hintergrund wie wilde Tiere ins Auge springen. Rot symbolisiert gewöhnlich Leben und Aggression, Grün Beständigkeit und Ruhe. Nebeneinander setzen die Farben einander unter Spannung – und entsprechend spannen sich auch die Nerven an. Warum haben die Theaterleute diesen Trick gewählt?

Richtig: um das Publikum anzustacheln. Das Bühnengeschehen lässt niemanden entspannen. Stellen Sie sich vor, die Tage ziehen in einer matten Reihe vorüber. Plötzlich bringt eine Elster eine Nachricht, eine Katze im Sack: «Suchen Sie eine kreative Arbeit mit gutem Lohn? Sind Sie aktiv, kreativ, selbstbewusst, offen für Neues und haben den Menschen etwas zu sagen? Unser Medienprojekt ‹Creeps› ist genau das Richtige für Sie! Schicken Sie einfach Ihr Video …»

JEDER IST SEIN EIGENER REGISSEUR

Dank moderner Technik kann heute jeder sein eigener Regisseur sein. Das Video ist aufgenommen, geschnitten und abgeschickt. Hurra – gewonnen! Es gefiel der Fachjury und bestand die schwierige Auswahlrunde. Willkommen beim Fernsehen! Drei ehrgeizige Frauen begegnen einander in einem Studio, um sich einem grossen Publikum zu präsentieren und den Jackpot zu knacken.

Welche Aufgabe haben Fernsehschaffende? Ganz richtig: Geld zu verdienen. Je populärer eine Sendung, desto grösser ihr Publikum – und desto teurer lässt sich die Werbezeit verkaufen. Eine schnelle und starke Wirkung erzielt man, wenn man das Herz und etwas tiefer liegende Regionen anspricht, nicht das Gehirn. So funktioniert auch Propaganda. Die Massenmedien beherrschen solche Tricks seit Langem. Doch so sind die Menschen: The Show Must Go On.

Werbung verkauft wichtige Informationen mindestens viermal und stets mit einer pikanten Sauce. Beim ersten Mal sieht der potenzielle Konsument sie nicht, beim zweiten hört er nicht zu, beim dritten versteht er sie nicht – beim vierten Mal sitzt der Nagel. Diese Methode des «Einhammerns unter die Hirnrinde» demonstriert die fortschrittliche Journalistin Lilly (Tatiana Bogolepova) in ihrer ganzen Pracht.

I BELIEVE I CAN FLY!

Unter anderem spricht sie Englisch, trinkt vielleicht «einen doppelten Bourbon» und galoppiert hoch zu Ross durchs Leben. Für sie heiligt der Zweck die Mittel. Die Hamburger Göre, die sich nicht bremsen lässt, erteilt der arglosen und leicht exaltieren Maren (Oksana Borisova), einem «Löwen mit Grippe», eine Lektion fürs Leben. Ach und weh! Nicht alles wird einem auf einem Silbertablett serviert, selbst wenn die Seele singt: I believe I can fly!

Schliesslich ist da die selbstgenügsame Petra (Polina Podolko) aus Chemnitz. Damit scheint alles gesagt – oder doch nicht? Ein wenig Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Chemnitz in der sowjetischen Besatzungszone, also in jenem Teil Ostdeutschlands, in dem 1949 die Deutsche Demokratische Republik entstand. 41 Jahre lang lebten die Menschen dort unter der Haube der UdSSR, mit allen daraus erwachsenden Blüten und Früchten.

Doch nichts währt ewig unter dem Mond, am wenigsten totalitäre Regime. 1990 vereinigten sich Ost- und Westdeutsche, die DDR und die Bundesrepublik. Damals unterschieden sich zumindest der Lebensstandard und häufig auch die Denkweise in den östlichen und westlichen Bundesländern. Das vereinte Deutschland brauchte Arbeit und Zeit, um Harmonie herzustellen. Schmerzlich widersprüchliche Schattierungen findet man auch heute noch.

DEM LICHT ZULÄCHELN

Die Zeit ist reich an Farben – nicht nur an Blutrot, Immergrün oder Braun. Wer Licht und Schatten zulächeln möchte, sollte «Creeps» am zweiten Freitag im Juni in Zürich sehen. Lutz Hübner beobachtet die sozialen europäischen Typen des beginnenden 21. Jahrhunderts überzeichnet scharf und zugleich behutsam. Das russische Studio des Schweizer Theaters Synthese gestaltet sie unter der Leitung von Anjelika Oberholzer-Smirnova mit grossem Talent.

Eine besondere Rolle spielt auch der unsichtbare Arno (Anton Zherzdev), der nach wirkungsvollen Videosequenzen – schliesslich befinden wir uns beim Fernsehen – die Spannung auf den Höhepunkt treibt. Alles dient dazu, echte Gefühle zu erschüttern, zu berühren und mit voller Kraft zu treffen, zugleich behutsam und harmonisch mit den Emotionen und Assoziationen des dankbaren Publikums zu spielen. Der Lohn für das Ensemble sind prächtige Blumen und stürmischer Applaus.

Am Ende waren echte menschliche Beziehungen und Gefühle eindringlich, farbig und sichtbar auf der Bühne erschienen. Die sonderbaren Creeps blieben irgendwo ganz in der Nähe – hinter einer unsichtbaren Wand, jenseits der bedingten Zeit und des bedingten Raumes des Studios und der magischen Tricks der Videokameras. Jeder misst mit seinem eigenen Mass. Umso spannender ist die Frage, was «Creeps» am 10. Juni um 19.30 Uhr gerade Ihnen zeigen wird.

IM SELBEN SAAL, ZUR SELBEN ZEIT

Am 22. und 30. Juni sowie am 1. Juli folgt eine weitere neue Produktion des Theaterstudios Synthese. «Die verlassenen Musen» nach dem Stück des kanadischen Dramatikers Michel Marc Bouchard enthüllen auf Russisch ihre intimsten Geheimnisse – zur selben Zeit im selben Saal Weisser Wind an der Oberdorfstrasse 20.

Für Geflüchtete sind die Plätze im Theater Synthese kostenlos.

Рецензия на показ спектакля «Creeps» Лутца Хюбнера — истории о трёх женщинах, соперничающих на телевизионном кастинге. Автор разбирает, как постановка сталкивает жажду подлинности с миром, где ценится только эффектная картинка, и как через героинь проступают отголоски истории послевоенной Германии.