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Пять жар-птиц в поместье ворона
Русская статья о спектакле «Пять жар-птиц в поместье ворона» Дона Нигро.
(Übersetzung aus dem Russischen — Originalsprache des Artikels)
Was ist also geschehen: ein schweres Verbrechen oder ein Unfall? Sollte man vielleicht jene mit dem blutroten Mund verhaften, die von allen beschützt wird? Und wie stark muss ein Motiv sein, damit ein Mensch offen sagt: „Dafür bin ich zu allem bereit“? «Schweiz für alle» berichtet über die neue Inszenierung des Internationalen Theaters Synthese.
Die Premiere fand Ende März in Zürich statt. Die Gründerin und künstlerische Leiterin des Internationalen Theaters und Theaterstudios Synthese, Regisseurin Anjelika Oberholzer-Smirnova, widmet sich nicht zum ersten Mal dem Werk des zeitgenössischen amerikanischen Dramatikers Don Nigro. Zuvor hatten die Schauspielerinnen und Schauspieler von Synthese bereits dessen Stücke «Stadt der grausamen Nacht» und «Kleine Tiertragödien» auf die Bühne gebracht.
Diesmal wurde im Kulturhaus Karl der Grosse im historischen Zentrum Zürichs mehr als zwei Stunden lang die Inszenierung «Fünf Feuervögel im Anwesen des Raben» gespielt. Das englische Original «Ravenscroft» gehört zu einer Reihe von Stücken um Inspektor Ruffing: «Mephisto», «Demonology», «Dark Wood», «Creatures Lurking in the Churchyard», «Backward Glances» und «Phantoms». Insgesamt schrieb Don Nigro mehr als fünfhundert Theaterstücke, die unter anderem ins Italienische, Französische, Deutsche, Chinesische, Spanische, Ukrainische, Bulgarische und Russische übersetzt wurden.
In «Fünf Feuervögel im Anwesen des Raben» werden verschiedene Spielarten des Kriminalgenres auf ungewöhnliche Weise miteinander verflochten: Das Schreckliche wird komisch, der Gothic-Thriller verwandelt sich in ein psychologisches Rätsel. Und was könnte wichtiger sein als menschliche Gefühle? Jede der fünf verführerischen und gefährlichen Bewohnerinnen des Anwesens besitzt andere Vorzüge und Schwächen, furchtbare Geheimnisse, erstaunliche Fantasien und ein bewegtes Privatleben. Im abgeschlossenen Raum eines englischen Hauses könnten sogar Geister hausen – irgendwo in der Provinz eines düsteren, überheblichen und windigen Landes, in den 1920er-Jahren.
Was war das für eine Zeit? Drehen wir die Geschichte um ein Jahrhundert zurück. Grossbritannien erkannte die UdSSR an. In Deutschland wurde Hitler wegen seiner Beteiligung am Bierhallenputsch von 1923 zu fünf Jahren Haft verurteilt, sass jedoch weniger als neun Monate davon ab. In Italien gewannen die Faschisten die Wahlen. In Washington marschierten bis zu 35’000 Rassisten des Ku-Klux-Klans auf. Der spätere spanische Diktator Franco wurde Brigadegeneral. In Griechenland regierte der Diktator Pangalos. Deutschland und die UdSSR versprachen sich für den Fall eines Angriffs durch einen Drittstaat fünf Jahre Neutralität. Grossbritannien wurde von Streiks erschüttert, in Portugal herrschte eine Diktatur, der Völkerbund schaffte die Sklaverei ab – und die zivilisierte Welt glitt in eine Wirtschaftskrise.
Vor dem Hintergrund solcher Nachrichten kommt in der britischen Provinz unter rätselhaften Umständen ein energischer, junger und gut aussehender Mann ums Leben, der, wie die Ermittlungen ergeben, über nützliche Fähigkeiten und angenehme Eigenschaften verfügte. Zum Zeitpunkt des Vorfalls hielten sich fünf Frauen mit ihm an einem abgelegenen Ort auf. Achtung, die Frage lautet: War es ein schweres Verbrechen oder ein Unfall? Der pragmatische Polizeiinspektor Ruffing (Anton Zherzdev) will der Wahrheit auf den Grund gehen und verhört mit Nachdruck die Bewohnerinnen, in deren Gegenwart sich möglicherweise ein vorsätzlicher Mord ereignet hat.
Nach dem Gesetz sind sie verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Die kokette Hausherrin Mrs Ravenscroft (Maria Rentsch), ihre launenhafte Tochter Gillian (Tatiana Bogolepova), die vernünftige Gouvernante Marcy (Liudmyla Turbovets), die dienstbeflissene Haushälterin Mrs French (Oksana Borisova) und das arglose Dienstmädchen Dolly (Maria Shenini) sollten eigentlich zur Aufklärung beitragen. Die Frauen und der Inspektor sprechen dieselbe russische Sprache – und dennoch fällt ihnen die Verständigung schwer. Die Befragten weichen aus, verwickeln sich in Widersprüche und decken sich selbst und einander. Dabei laufen sie Gefahr, sich von Zeuginnen in Verdächtige zu verwandeln.
Ein Verhör eignet sich ausgezeichnet für die Theaterbühne. Vor Gefängnis und Bettelstab ist niemand gefeit; die Kunst ermöglicht es jedoch, im Theater vieles zu erkennen und zu durchleben, ohne selbst ein Verbrechen zu begehen und mit Ermittlungen oder einem Gerichtsverfahren konfrontiert zu werden. Nach «Fünf Feuervögel im Anwesen des Raben» ist eines vollkommen klar: Wer von den Strafverfolgungsbehörden befragt wird, tut gut daran, ruhig und besonnen zu bleiben. Er kann die Wahrheit, eine Halbwahrheit oder eine Lüge erzählen – sofern Umstände und Gewissen es erlauben. Auch das Gedächtnis hat ein Recht auf Irrtum, und jeder Mensch erinnert sich anders.
Die Aufgabe des Ermittlers besteht darin, zu beobachten, nachzudenken, seine Gefühle zu beherrschen und wachsam zu bleiben. Menschen lügen zu allen Zeiten und aus den unterschiedlichsten Gründen. Kenner der menschlichen Seele behaupten, ein Lügner habe stets ein gewichtiges Motiv. Erstens treibt die Angst vor Strafe einen Schuldigen häufig dazu, Geschichten zu erfinden. Zweitens kann jemand täuschen, um das Gewünschte zu erlangen oder einen anderen erfolgreich zu manipulieren. Drittens gibt es die sogenannte Notlüge: Um die Gefühle nahestehender Menschen zu schonen oder ihnen zu helfen, greift man nicht selten zur Unwahrheit. Doch kehren wir in unser englisches Heim zurück.
Unbeeindruckt von der Tatsache, dass ein aufrichtiges Geständnis strafmildernd wirken könnte, lügen die fünf reizenden Frauen mit wechselndem Erfolg um die Wette. Zunächst beherrscht sich Inspektor Ruffing und spielt sogar mit. Doch je länger das Verhör dauert, desto mehr verliert der Amtsträger seine Fassung. Dazu trägt seine uneigennützige Leidenschaft für die Wahrheit bei, die ihn vermutlich aus der Hauptstadt in dieses finstere Provinznest geführt hat – ausgerechnet zu einer Stunde des Unwetters. Verzweifelt versucht der Hartnäckige, sich an einer nüchternen Version festzuhalten, verliert vor den bezaubernden Lügnerinnen buchstäblich seine dienstliche Würde und greift schliesslich zu Bitten und Drohungen.
Sollte er vielleicht jene mit dem blutroten Mund verhaften, die von allen beschützt wird? Oder diejenige, die behauptet, das Opfer zuletzt gesehen zu haben? Oder eine Dritte, die die Schuld auf sich nimmt? Oder eine Vierte, die den Ermittler zu bestechen versucht? Ein Mensch hat das Recht, sich zu verteidigen, wenn er angegriffen wird. Doch wie stark muss ein Motiv sein, damit jemand mit seinem Schicksal oder sogar mit seinem Leben bezahlt? Auf der Suche nach der Wahrheit wühlt der Inspektor gewissermassen in der schmutzigen Wäsche der Zeuginnen. Diese wiederum ziehen seine persönliche Vergangenheit und seinen Schmerz in die Ermittlungen hinein und schlagen ihre manikürten Krallen in alte Wunden.
Unter reichen Widerlingen hat man es schwer – umso mehr in einem fremden Land. Auch kluge, bescheidene und schöne Menschen haben es nicht leicht. Sind es Langeweile, Angst oder Sehnsucht, die einen im Grunde guten Menschen in seltsame Spiele hineinziehen? Die Ermittlungen irren durch Wahrheit, Halbwahrheit und Lüge, durch Glanz, Eleganz und Schönheit, durch Charleston und Tango der funkelnden Feuervögel. Die Inszenierung lässt Mode und Musik jener Epoche mit grosser Präzision wiederaufleben – ein Merkmal der Regiehandschrift von Oberholzer-Smirnova, das sich in ihren unterschiedlichen Produktionen zeigt. In den zwanzig Jahren des Theaterbestehens waren es mehr als fünfzig.
Glänzende, glatte, schwere, luftige und mit Spitze verzierte Kostüme, antike Möbel und alte Gegenstände sowie ein möbliertes Puppenhaus mit Tapeten und einer für betrunkene Fantasten verhängnisvollen Treppe verleihen der wunderlichen Bühnenwelt zugleich Behaglichkeit und Mystik. Dieses Haus entwickelte und baute die Regisseurin gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Tanja Tkachuk. Getragen vom schauspielerischen Können führte die Regieidee die Handlung kunstvoll durch ein raffiniertes Labyrinth. Ein ausverkaufter Saal, Begeisterung und der Applaus des Publikums bezeugen: Hier ist Kunst entstanden.
Überzeugen Sie sich selbst. Am 23. und 24. Mai zeigt das Internationale Theater Synthese im Theater Central in Uster die Inszenierung «Der kleine Prinz. Rückkehr zu den Ursprüngen» nach der philosophischen Erzählung «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry. In einer faszinierenden Welt humanoider Technologien wird sie zur Matrix psychologischer Typen und zu einem Instrument für die Analyse menschlichen Verhaltens. Im Juni ist «Fünf Feuervögel im Anwesen des Raben» in Frankfurt zu sehen und im Oktober erneut in Zürich.
О премьере «Пять жар-птиц в поместье ворона» Дона Нигро — детективно-готической истории о пяти женщинах английского поместья 1920-х годов, чьи показания следователю расходятся всё сильнее. Спектакль идёт больше двух часов и завершился овацией.